Sound Karate


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Karate mit Musik ???


 

 

 

Bevor wir (d.h. Jochen, Jürgen, Sunil, Helga und ich) uns im Juni 2003 zur zweitägigen Ausbildung zum Sound-Karate-Trainer(in) auf den Weg machten, dachte ich bei Sound-Karate an Karate-Robic, Thai Bo o.ä. oder kurz gesagt an Karate mit Musik.

Gleich zu Beginn der Ausbildung machten uns Nadine Ziemer und Toni Dietl jedoch unmisserverständlich klar, dass ich (und viele andere mit mir) mit dieser Einschätzung falsch lagen.

 

 

 

Nadine hat in einem Interview Sound Karate als neues Konzept für die Karate-Kinderarbeit mit folgenden Worten vorgestellt:

“Sound Karate ist ein System, in dem Kata, Techniken und Bunkai auf Musik gemacht werden. Aber das ist nicht alles, es ist viel umfassender, das heißt, es ist eine absolute, komplette Grundausbildung. Das fängt an mit einem allgemeinen Teil, zum Beispiel Koordination. Dazu gibt es einen speziellen Teil mit Übungen für Karatetechniken und dann halt das Karate auf Musik sowie die Übungen mit Bällen. Das ist komplett für Kinder ausgelegt.

Entstanden ist es vor längerer Zeit in Italien, mit einem Aufwand von mehreren Millionen Mark. Der Sinn liegt eigentlich darin, dass Kinder sehr viele Wiederholungen machen, ohne dass sie es merken. Es ist aber keine Form von Karate-Aerobic, sondern soll Spass machen und die Kreativität anregen.”

Nach der theoretischen Einleitung, in der auch auf das “stilrichtungsfreie Karate im DKV” eingegangen wurde - aber das ist ein gesondertes Thema - gingen Nadine und Toni dann ganz schnell zur Praxis über. Wir, d.h. 29 Schwarz- und Braungurte (fast alles “gestandene” Karate-Übungsleiter bzw. -Trainer) schlüpften in die Haut von Karate-Kindern und durften das Sound-Karate Trainings- und Prüfungsprogramm selbst erleben.

Analog zum “normalen” Sound-Karate-Training erhielten wir Trainingskarten, in denen jede Übungs-Teilnahme bestätigt wird. Nach jeweils einem Drittel der für jeden Gürtelgrad unterschiedlich festgelegten Gesamttrainingseinheiten (z.B. 30 für den Gelburt) steht eine Zwischenprüfung an: zunächst der Fitness-, dann der Kombitest und abschliessend die aus Sound- und Kumiteteil (an den Bällen) bestehende “Karateprüfung”.

Die bestandenen Zwischenprüfungen werden durch farbige Streifen an den Gürteln dokumentiert, d.h. die Kinder werden auf diese Weise zusätzlich motiviert.

 

Für die Sound-Karate-Ausbildung wurde ich wieder zum angehenden Orangegurt gemacht :-)

Und hier eine Trainingskarte, wie wir sie in unserem Verein verwenden

 

Genauso wie unsere Kinder mussten wir unsere Kondition bei Fitnessübungen (z.B. Strecksprünge, Rolle vor- und rückwärts, Seilspringen) und beim Parcourslauf - eher Parcoursrennen - (Hindernisse überspringen und unten drunter durch “krabbeln”, Ball prellem, Sprint, Slalom u.v.a.) beweisen.

 

 

 

An dieser Stelle noch eine Bemerkung zur praktischen Umsetzbarkeit:

Neben den doch erheblichen Kosten, die mit einer Beschaffung der im Lehrgang vorgestellten Hindernisse/Matten verbunden wären, verhindert - insbesondere bei Nutzung von öffentlichen Sporthallen - die fehlenden Möglichkeiten, das Equipment sicher zu verwahren, oft eine Realisierung dieses “Profi-Parcours”.

So war auch bei uns Kreativität gefragt, um den Fitnessteil mit den Geräten/Hilfsmitteln umzusetzen, die in Turnhallen üblicherweise zur Verfügung stehen: Sitzbänke, Unterteile von “Kästen”, Karategürtel und vieles andere mehr wurden von uns entsprechend “umdefiniert”.

Fazit: es geht, aber nur wenn man 5 auch mal gerade sein lässt.

Gefordert wurden wir dann auch beim “Kombinierten Test”, bei dem sowohl Karatetechniken in Kombination als auch Übungen aus dem Umfeld Dehnung/Kräftigung/Körperbeherrschung zu bewältigen sind.

Hier als Beispiel dieser Prüfungsteil zum 9. Kyu:

 

 

Bereits ab dem Gelbgurt wird der Kombinierte Test durch einen Soundblock ergänzt, bei dem Karatetechniken zu “fetziger” Musik (mal mehr und mal weniger in Übereinstimmung mit dem Rhythmus der Musik *grins*) vorzuführen sind.

Neben diesem Soundblock gibt es in jeder “Karate-Prüfung” (=Gürtelprüfung) einen separaten Sound-Karate-Teil, bei dem in 4er-Blöcken (bei höheren Gürtelgraden auch mit mehrfacher Änderung der Bewegungsrichtung) vorgegebene Karatetechniken zur Musik auszuführen sind. Ab der Oberstufe (3. Kyu) ist der Prüfling gefordert, die Choreographie des Sound-Teils selbst zu erarbeiten.

 

 

Im Gegensatz z.B. zum Shotokan Ryu des DKV, bei dem auch für Kinder bereits für den 9. Kyu Kumite-Partnerübungen auf dem Programm stehen, wird beim Sound-Karate Kumite mit Partner bewusst erst in der Oberstufe (ab dem 3. Kyu) eingeführt.Dies bedeutet jedoch nicht, dass Kumite beim Soundkarate hintenrunter fällt, sondern genau das Gegenteil!.

Das Sound-Karate-Konzept bezieht nämlich Kumite in einer wettkampfmäßigen Form bereits ab der ersten Trainingsstunde (ok, etwas später) mit ein; der wesentliche Unterschied ist jedoch, dass nicht mit einem menschlichen Partner trainiert wird, sondern ein Ball den Partner repräsentiert. Hier ist es besonders wichtig, dass die Techniken schnell und stark ausgeführt werden, der Ball aber in keinem Fall berührt werden darf.

 

 

Betrachtet man die Auswahl der Techniken, die im Kumite-Block trainiert werden, so ist eine starke Ausrichtung auf für den Wettkampf geeignete, effiziente Techniken festzustellen, ohne dass dies zu einer Überforderung der Kinder führen würde. Nach meiner Erfahrung macht diese Form von Kumite den Kindern wesentlich mehr Spass und führt zu erheblich besseren Techniken als dies bisher bei den Partnerübungen der Fall war.

Um einerseits die Reaktionsfähigkeit der Kinder zu verbessern und andererseits dem Wunsch der Kinder, sich miteinander zu messen, nachzukommen, wird der Kumite-Teil durch einen “Flaggen-Wettbewerb” ergänzt. Hierbei signalisiert der Trainer durch die Flagge die von den Kindern am Ball jeweils auszuführende Technik (z.B. aus der Prüfung zum 7.Kyu: rote Flagge: Ausfallschritt-Uraken-uchi /Gyaku-zuki, blaue Flagge: Ausfallschritt-Gyaku-zuki/Mawashi-geri, beide Flaggen: hinteres Bein Uramawashi-geri)

 

Flaggenwettbewerb während des Lehrgangs Flaggenwettbewerb mit unseren Karate-Kids

 

 

 

Summa sumarum war es für uns nicht nur ein interessanter Lehrgang,

 

 

 

sondern der Startpunkt für Sound-Karate in unserem Verein. Die erste Änfängergruppe durfte ich ab Oktober 2003 nach dem Sound-Karatekonzept trainieren, wobei meine Erfahrungen durchwegs positiv sind. Für den Trainer ist jedoch die Bereitschaft zum Umdenken (und Abschneiden alter Zöpfe) gepaart mit Flexibiltität zwingend erforderlich, damit das “Klassenziel” erreicht wird.
hintere Reihe von links: Unsere Trainer Toni Dietl und Nadine Ziemer, daneben Jochen (unser Cheftrainer), Jürgen (Kata-Spezialtrainer). Vordere Reihe von links:Harald und Sunil (Kindertrainer und Fachübungsleiter) und Helga (Vorstandsmitglied KV Limburg)  

 

Es berichtete: Harald Pützstück (Karateverein Limburg)